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Pressemitteilung des Arbeitskreises Europa im CDU-Kreisverband Böblingen

"Katalonien-Krise - steht Spanien vor einem neuen Bürgerkrieg?" - Isaac Gonzalez referierte beim Arbeitskreis Europa

Mit Euro- und Flüchtlingskrise, Brexit und Populismus steht Europa vor neuen Unsicherheiten, die seit 2010 auch neue Konflikte hervorgerufen haben. Ein weiteres Thema, das in diesem Herbst dazu kam, ist die Krise um Katalonien – die Unabhängigkeitsbewegung und die Reaktion der Zentralregierung in Madrid. Ob dieser Konflikt das Potential hat, Spanien in einen neuen Bürgerkrieg zu stürzen oder friedlich gelöst werden kann – mit dieser Frage beschäftigte sich der Arbeitskreis Europa des CDU-Kreisverbands Böblingen bei seinem letzten, mitgliederoffenen Treffen vor den Weihnachtsferien, das in der CDU-Kreisgeschäftsstelle stattfand. Als Experten hatte Steffen Straube-Kögler, Vorsitzende des Arbeitskreises, Isaac Gonzalez gewinnen können, Lehrer für Deutsch und Geschichte mit Gemeinschaftskunde an der Kaufmännischen Schule Böblingen, der in der Nähe von Barcelona aufgewachsen ist, als junger Mann nach Deutschland kam und sich hier niederließ.

Zu Beginn gab der Referent einen historischen Überblick von der Zeit der Iberer, über die römische Herrschaft, die Mauren, die Habsburger bis hin zu den Kriegen des letzten Jahrhunderts. Er führte aus, dass die Geschichte Kataloniens bis 1700 relativ eigenständig verlaufen sei. Ein Wendepunkt markierte der Spanische Bürgerkrieg von 1936 bis 1939, in dem die Katalanen die demokratische Republik gegen General Franco verteidigten, am Ende aber nach der Niederlage der Republik dafür bitter bezahlen mussten. Viele Katalanen mussten über die Pyrenäen nach Frankreich fliehen oder fanden sich in den Gefängnissen des Diktators wieder. Die seit 1931 bestehende Autonomie Kataloniens wurde aufgehoben.

Die Verbrechen der Diktatur wurden gemäß den Ausführungen von Isaac Gonzalez auch nach der Rückkehr zur Demokratie 1977 bis heute nie richtig aufgearbeitet. Die Geschichte sei deshalb der Nährboden für die separatistische Bewegung. Zudem fehle in Spanien ein Bundesrat wie in Deutschland, der für ein Gegengewicht der Regionen gegenüber der Zentralregierung sorge. Katalonien fühle sich von der derzeitigen Regierung in Madrid ausgebeutet, weil es zu viele Steuern abführen müsse, dafür aber zu wenig politische Autonomie habe.

Schließlich war auch die teils brutale Niederschlagung des Unabhängigkeitsreferendums im Oktober ein Grund, warum die Separatisten an Boden gewonnen haben. Für den 21. Dezember sind Neuwahlen in Katalonien angesetzt, deren Ausgang maßgeblich für die Zukunft der Region entscheidend sei. Diese leide jetzt schon unter den wirtschaftlichen Folgen der Unruhen, da z.B. schon große Unternehmen ihre Zentralen aus Barcelona abgezogen hätten. Ein Dialog zwischen den Konfliktparteien und eine Kompromisslösung, bei der Katalonien mit mehr Autonomie ausgestattet werde und innerhalb des spanischen Staats bleiben könne, sei sicher für alle Beteiligten die beste Lösung, so das Fazit von Isaac Gonzalez. Eine Verschärfung der Krise hin zu einem Bürgerkrieg müsse nach den grauenvollen Erfahrungen des 20. Jahrhunderts unbedingt verhindert werden.

Fabian Schwarz

 

 

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