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Von "Orbánistan" zum "Marine-Reich"?

Politikwissenschaftler referiert bei AK Europa und CDU Herrenberg

Am 16. Mai luden der Arbeitskreis Europa und der Stadtverband Herrenberg gemeinsam ein zu einem Vortrag über unsere europäischen Nachbarn Ungarn und Frankreich. „Von Orbánistan zum Marine-Reich? Illiberale Demokratie – Flüchtlingskrise – Europaskepsis“ war der Titel des Referats von Prof. Dr. Siegfried F. Franke, der bis 2010 in Stuttgart den Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik innehatte und danach nach Budapest wechselte, um dieses Fach an der dortigen Andrássy-Universität zu unterrichten.

Der Gewölbekeller des Herrenberger Klosterhofes war gut besucht. Die Anwesenden erhielten nach einer kurzen Einführung durch Steffen-Straube Kögler, Vorsitzender des AK Europa und stellvertretender Stadtverbandsvorsitzender, interessante Einblicke in die ungarische Politik seit dem Wahlsieg von Victor Orbans nationalkonservativer Fidesz-Partei vor sieben Jahren. Besonders erhellend waren dabei Frankes Ausführungen zur wechselvollen ungarischen Geschichte: Erwähnt seien die Verwüstungen infolge der Türkenkriege des 16. und 17. Jahrhunderts, die Juniorpartnerschaft im kaiserlichen Verbund mit Österreich vor 1918, der demütigende Friedensvertrag von Trianon 1919, in dem Ungarn zwei Drittel seines Staatsgebiets verlor, und nicht zuletzt der von den Sowjets brutal niedergeschlagene Aufstand von 1956. Diese wechselvolle Geschichte von Fremdherrschaft habe sich auf die Mentalität des kleinen Volkes in einer Weise ausgewirkt, dass es heute allergisch auf jegliche politische Bevormundung von außen reagiere. 

Anschließend rundete der Referent seine Betrachtungen über den aufkeimenden Populismus in Europa und mögliche Ursachen ab - mit einem Vergleich zu den Entwicklungen in Frankreich bis hin zur Präsidentenwahl, die Emmanuel Macron für sich entscheiden konnte. Insgesamt blieb der Eindruck eines gelungenen Abends, der einen differenzierten Beitrag zum Verständnis der unterschiedlichen nationalen und politischen Mentalitäten in Europa leisten konnte.

Im Anschluss folgte eine Fragerunde, die Co-Stellvertreter Victor Seiler moderierte, und ein Grußwort von Marc Biadazc, der um Unterstützung für seinen Bundestagswahlkampf warb. Als Dankeschön wurde Prof. Franke eine gute Flasche Wein aus dem Loire-Tal von Steffen Straube-Kögler, dem Organisator des Abends, überreicht, der es nicht versäumte, allen Helfern zu danken – insbesondere CDU-Kreisvorstandsmitglied Martin Weber, der den Kontakt zum Referenten hergestellt hatte.

Text: Joachim Groß

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