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„Nicht jeder Weg muss mit dem Auto sein“

Sommergespräche Elke Staubach und Gabriele Ludmann (CDU) über das Wachsen der Stadt, die Probleme bei Wohnraum und Verkehr und den neuen OB.

Die Stadt verändert ihr Gesicht. Das finden die CDU-Fraktionschefin Elke Staubach und ihre Bauexpertin Gabriele Ludmann grundsätzlich gut. Aber daraus entstehen neue Aufgaben.
Frau Staubach, Frau Ludmann, Sie haben als Treffpunkt für unser Gespräch den Rathausplatz vorgeschlagen. Warum?
Staubach: Rund ums Rathaus hat sich viel getan, und es wird sich noch viel tun. Das Layher-Viertel wächst, auf der anderen Seite baut die Leonberger Firma Mörk ein Wohn- und Seniorenzentrum.
Ludmann: Das Hallenbad wurde saniert, wir haben eine moderne Sauna, die Stadtachse wird das Zentrum nachhaltig verändern, der Park beim Layher-Gelände wird eine neue Grünfläche mitten in der Stadt.
Staubach: Was gut ist, denn durch das Layher-Quartier und die Bebauung des Post-Areals bekommen wir neue Einwohner im Zentrum. Deshalb brauchen wir dort einen Spielplatz und einen Calisthenics-Park.
Einen was . . . ?
Ludmann: Das sind Stangen für Klimmzüge,wie das altbekannte Reck. Bei Jugendlichen ist das sehr angesagt. So etwas gibt es in Stuttgart und anderen Großstädten.
Bei Layher ist der Altstadt-Blick bald weg.
Staubach: Das wussten wir. Immerhin haben wir Durchgänge durchsetzen können, die Blickbeziehungen ermöglichen.
Ludmann: Es ist ein respektabler Kompromiss. Der Immobilienmarkt ist äußerst angespannt. Wohnungen werden gebraucht.
Der OB hat erklärt, dass unter seiner Regie die Stadt das Bausparkassenareal gekauft hätte, was ja nun der Firma Layher gehört.
Staubach: Zunächst hatte der Investor Häussler den Bereich gekauft und kreative Pläne gehabt. Dass das Unternehmen pleite geht, konnte niemand ahnen. Layher ist eben ein klassischer Wohnungsbauer. Das Gelände von der Stadt aufzukaufen, wurde damals diskutiert, aber die Stadt hätte den Kaufbetrag damals nicht stemmen können.
Die nächste städtebauliche Chance kommt auf dem Post-Areal. Was brauchen wir da?
Staubach: Auf jeden Fall Aufenthaltsqualität. Wir haben zwischen Marktplatz und Neuköllner Platz kein einziges Restaurant oder Café. Wir hatten uns ja ein öffentliches Café im neuen Rathaus gewünscht. Daraus wurde leider nichts. Bei Mörk-Bau ist jetzt ein Café angedacht.
Sind die ganzen Pläne für den Stadtumbau überhaupt realistisch?
Ludmann: Ja. Das sieht man schon daran, dass die Stadt die Grundstücke aufkauft, die sie für den Brückenschlag benötigt. Wichtig ist, dass die neue Verbindung zur Altstadt attraktiv für Fußgänger, Menschen mit Kinderwagen oder auch Radfahrer ist.
Die Eltinger Straße mit dem Charakter einer Stadtautobahn als fußgängerfreundliche Verbindung: Wie soll das gehen?
Staubach: Der eigentliche Brückenschlag ist ja tatsächlich eine autofreie Brücke zur Altstadt hin. Es geht ja nicht nur um die Eltinger Straße, sondern um die Gesamtsituation in diesem Bereich mit den nördlichen und südlichen Weiterführungen und Querverbindungen wie Stuttgarter Straße, Bahnhofstraße oder Lindenstraße. Die müssen wir in unsere Überlegungen miteinbeziehen: Wäre da etwa ein Ringverkehr machbar?
Ludmann : Letztlich brauchen wir ein Umdenken bei den Menschen. Nicht jeder Weg muss mit dem Auto gemacht werden.
Staubach: Ein gutes Beispiel sind die Kinder, die morgens mit dem Auto zur Schule gebracht werden. Das muss nicht sein.
Und das im autoverliebten Ländle?
Ludmann: Man kann den Verkehr in der Tat nicht wegdiskutieren. Aber man könnte Autofahren reduzieren. Dann aber brauchen wir gute Alternativen, vor allem gute Taktzeiten bei Bus und Bahn zu günstigen Preisen.
Beim vergangenen Sommergespräch hatten Sie die Realisierungschancen für einen Altstadttunnel als sehr gering eingestuft. Jetzt will der Oberbürgermeister sogar einen noch längeren Tunnel bis zum Westanschluss bauen. Ist das völlig utopisch?
Staubach: Fakt ist, dass ein 2,4 Kilometer langer Altstadttunnel im Regionalverkehrswegeplan drin ist, der unlängst von der Regionalversammlung beschlossen wurde. Ein längerer Tunnel ist dort aber nicht vorgesehen. Doch selbst wenn ein Bau realistisch wäre, stellt sich die Frage der Finanzierung. Es wäre mit Kosten von rund 120 Millionen Euro zu rechnen.
Also doch völlig utopisch?
Ludmann: Bisher wurde ja immer nur geredet. Aber wenn man nichts anfängt, bekommt man am Ende auch nichts.
Ist der OB-Vorschlag einer Seilbahn ebenso ein Fall für die Utopie-Kiste?
Staubach: Wäre Ihr Artikel darüber am 1. April erschienen, hätte ich das Ganze noch nachvollziehen können. Auch hier sind viele Fragen offen: Kann man mit Kinderwagen oder Rollator in eine Gondel? Wie funktioniert der Zustieg? Was ist mit dem Schutz der Privatsphäre, wenn die Kabinen über Häuser und Gärten gondeln?
Ludmann : Ich tue mich auch sehr schwer mit der Vorstellung. Aber vielleicht kann uns der Oberbürgermeister ja überzeugen.
Haut der OB seine Ideen heraus, ohne nachzudenken?
Staubach: Man muss manchmal querdenken, um Diskussionen anzustoßen.
Ist Kaufmann auf dem richtigen Weg?
Staubach: Es ist noch zu früh, das zu beantworten. Leonberg ist ein anderes Kaliber als Rudersberg, wo er früher Bürgermeister war. Hier gibt es neben der Kernstadt große Ortsteile mit eigenem Charakter und wesentlich mehr Instanzen. Herr Kaufmann wird außerdem selber merken, dass es hier viele Themen gibt, bei denen es die Bürger gerne hätten, dass sie am besten schon vorgestern gelöst wären.
Ludmann: Auf jeden Fall hat er frischen Wind ins Rathaus gebracht, unter anderem weil er Kompetenzen nach unten delegiert.
Ein Citymanager soll kommen. Was kann er bewirken?
Staubach: Er muss ein Netzwerk spinnen zwischen Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing. Damit die vielen guten Ideen, die jetzt schon angeboten werden, besser aufeinander abgestimmt und vermarktet werden und nicht alle an einem Wochenende stattfinden, so wie das im Juni der Fall war. Dafür braucht es ein Budget.
Dass Bosch sich auf dem Hofmeister-Gelände erweitern will, stößt nicht nur auf Freude. Viele befürchten, dass der Wohnungsmarkt dann noch härter wird.
Ludmann: Wir müssen über jeden Arbeitsplatz froh sein, Deshalb ist es eine gute Nachricht. Allerdings bringt die Erweiterung mehr Verkehr und größeren Wohnraumbedarf.
Und damit neue Wohngebiete?
Staubach: Man muss sehen, wo noch etwas geht, gerade in den Ortsteilen, auch zur Stärkung des Einzelhandels. Klar ist, dass wir zudem weitere Gewerbegebiete benötigen, etwa am Höfinger Pfad.
Ist ein gemeinsames Gewerbegebiet mit Rutesheim endgültig gestorben?
Ludmann: Keineswegs. Wir haben in beiden Städten neue Verwaltungschefs. Vielleicht sehen diese das Thema entspannter als ihre Vorgänger.
Das Gespräch führte Thomas K. Slotwinski.

mit freundlicher Genehmigung der  Leonberger Kreiszeitung.

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