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Sabine Kurtz: Private Anbieter bereichern den Pflegebereich

Landtagsabgeordnete erhält Einblick in die Arbeit eines privaten Pflegedienstleisters in Herrenberg

„Wir haben alle Landtagsabgeordneten in Baden-Württemberg angeschrieben, um ihnen einen Einblick in den Alltag unserer Mitgliedsunternehmen zu geben“, erklärte der Landesbeauftragte des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa), Berthold Denzel, den Anlass für das Gespräch mit der Leonberger Landtagsabgeordneten Sabine Kurtz. Diese hatte sich sofort offen gezeigt, die PGS GmbH in Herrenberg - ein Mitgliedsunternehmen der bpa –zu besuchen. Am 17. August traf sie sich mit dem Verbandsvertreter sowie der Geschäftsführerin des Unternehmens, Heike Petrik.

Die PGS GmbH habe inzwischen über 300 Mitarbeiter, die vor allem in der ambulanten Pflege, insbesondere in der Intensivpflege, tätig sind. Ergotherapie, Logopädie sowie Physiotherapie ergänzten das Angebot, stellte die Geschäftsführerin das 2005 gegründete Unternehmen  vor. Besonders stolz sei sie auf die drei ambulant betreuten Wohngemeinschaften, die in Backnang, Krauchenwies und Herrenberg vom PGS-Personal betreut werden. Die dafür notwendigen Häuser stelle eine spezialisierte Immobilienfirma zur Verfügung. Die Bewohner bzw. ihre Angehörigen entscheiden selbstverantwortlich über die Beauftragung eines ambulanten Pflegedienstes, die benötigten Therapeuten, die Reinigungskräfte, einen Hausmeisterservice und andere benötigte Dienstleister und darüber, wie viele und welche neuen Bewohner aufgenommen werden sollen. Die Wohngemeinschaft in Herrenberg durfte die Abgeordnete auch kurz in Augenschein nehmen. „Diese Versorgungsform stellt eine interessante Alternative für pflegebedürftige Menschen dar“, schlussfolgerte sie. Der rechtliche Rahmen hierfür wurde mit der Verabschiedung des Wohn-, Teilhabe und Pflegegesetzes (WTPG) im Jahre 2014 geschaffen. „Wir sind mit unseren drei WGs noch ziemlich einzigartig auf dem Markt“, wies Heike Petrik auf die Vorreiterrolle der PGS GmbH hin. Die Möglichkeit, Wohngruppen zu bilden, sei in der Gesellschaft noch nicht sehr bekannt. „Hier muss noch Aufklärungsarbeit geleistet werden“, gab sie Sabine Kurtz mit auf den Weg.

Große Probleme bereiteten die fehlenden Fachkräfte im Pflegebereich, waren sich Heike Petrik und Berthold Denzel einig. „Wir könnten unseren ambulanten Bereich stark ausbauen. Dafür fehlt aber das Personal, so dass wir auch im Ausland selbständig aktiv nach Fachkräften suchen“, so die Geschäftsführerin.

Die beiden Fachleute zeigten sich besorgt, dass das auf Bundesebene angestrebte Pflegeberufereformgesetz in seiner jetzigen Form den Fachkräftemangel verstärken könnte. Mit dem Gesetz sollen die bisher eigenständigen Ausbildungen zur Altenpflege-, Kranken- und Kinderkrankenpflegekraft zu einer generalistischen Pflegeausbildung zusammengelegt werden. „Wir fürchten eine oberflächliche Ausbildung“, so die Geschäftsführerin. Ihrer Ansicht nach hätten die Auszubildenden in einer solchen Ausbildung Probleme, für ihren späteren Beruf ausreichend Praxis in einer speziellen Fachrichtung zu sammeln. Die Ausbildung der Pflegekräfte müsse weiterhin die Chance zur Spezialisierung bieten, stimmte die Abgeordnete zu. Der Koalitionsvertrag der Landesregierung habe diese Forderung auch eindeutig festgehalten. Gleichzeitig plädierte sie dafür, junge Menschen nicht zu früh auf eine spezielle Fachrichtung im Pflegebereich festzulegen, sondern ihnen Wahlmöglichkeiten zu eröffnen und das Berufsbild damit attraktiv zu machen.

Optimistisch zeigte sich Berthold Denzel mit Blick auf die Passage im Koalitionsvertrag, in der die Überprüfung der Landesheimbauverordnung zugesagt wird. Denn die derzeitigen Anforderungen an die Bereitstellung von Einzelzimmern und Mindestgrößen der Heimzimmer seien völlig überzogen und gefährdeten den Bestand vieler Einrichtungen. Diese Befürchtung habe sie bereits bei mehreren Besuchen in Pflegeeinrichtungen ihres Wahlkreises vernehmen können, bekannte Sabine Kurtz. „Wir wollen jetzt Vereinfachungen und die Einführung von präzisen Ausnahmeregelungen prüfen“, berichtete die Abgeordnete.

Einig waren sich die Gesprächsteilnehmer hinsichtlich der steigenden Bedeutung des Themas Pflege. Dem habe auch die auf Initiative der CDU ins Leben gerufene Enquetekommission des baden-württembergischen Landtags in der vergangenen Wahlperiode Rechnung getragen. „Die Kommission hat über 600 Empfehlungen abgegeben. Die müssen jetzt sorgfältig bearbeitet werden“, so Sabine Kurtz. Deshalb sei es weiterhin wichtig, dass die Abgeordneten Eindrücke aus der Praxis sammeln. Die Aktion des bpa empfinde sie dabei als eine Bereicherung. Denn den privaten Markt im Pflegebereich habe sie persönlich bisher nur wenig wahrgenommen. Dass über 60 Prozent der zugelassenen ambulanten Pflegedienste sich in privater Trägerschaft befinden, sei ihr nicht bewusst gewesen, war die Abgeordnete froh über den aufschlussreichen Nachmittag in Herrenberg.

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